Ankunft im neuen Heim Daugavpils

Daugavpils bei Nacht

Ich habe euch davon erzählt, was meine Gedanken vor meiner Abreise waren. In diesem Beitrag möchte ich euch von meiner Anreise und von meinen ersten Gedanken und Gefühlen nach der Ankunft in meinem neuen Heim in Daugavpils, Lettland, erzählen.


Die Anreise

Meine Anreise war lang und anstrengend. Freitag nach meiner letzten Prüfung habe ich noch gepackt, spät abends sind Kai und ich in Berlin angekommen, wo wir eine Nacht im Hotel geschlafen haben. Am Samstag früh morgens sind wir wieder aufgestanden, um Zeit für das Frühstück zu haben.

Am Flughafen Berlin-Schönefeld mussten wir dann Abschied nehmen und das war wirklich nicht einfach, obwohl ich wahrscheinlich wegen der Aufregung nicht weinen musste. Erst nach dem Sicherheitscheck, als ich das letzte Mal winken wollte, mir aber eine Sicherheitsbeamtin im Weg stand, wurde ich traurig. Ich musste so gehen. Zu lange hatte ich schon dort gestanden, meine ganzen Geräte wieder zurück in den Koffer räumend. Dabei war ich eigentlich zu früh. Ich hatte allgemein noch eine Stunde bis zur Öffnung des Gates, und schließlich hatte mein Flug auch noch eine einstündige Verspätung.

Ich hasse Flughäfen und vor allem, darin mit den anderen Menschen eingegsperrt zu sein. Allein das Wissen darum, dass ich das Gebäude nicht einfach verlassen kann, macht mich manchmal schon wahnsinnig. Ich habe es aber irgendwie ausgehalten, bin ins Flugzeug gestiegen und bin dort vor Müdigkeit tatsächlich eingeschlafen (zum ersten Mal in einem Flugzeug).

Lettland von oben

Kurz vor der Landung habe ich die märchenhafte Landschaft von Lettland von oben sehen können, schneebedeckt. Diesen Anblick möchte ich unbedingt mit dir teilen:

Ach, und bestimmt interessiert es dich, welche Gefährten ich nun letztendlich mitgenommen habe. Ich konnte, wie gesagt, nur drei Bücher mitnehmen und habe mich letztendlich einfach für die drei entschieden, die am besten in meine Koffer gepasst haben, denn bei der Auswahl stand Meinung gegen Meinung. Also habe ich Judith Schalanskys „Verzeichnis einiger Verluste“ mitgenommen, Pascal Merciers „Nachtzug nach Lissabon“ und Sigmund Freuds „Elemente der Psychoanalyse“. Dass ich nicht auch die anderen mitnehmen konnte, macht mich immer noch etwas traurig, obwohl ich hier kaum Zeit habe zum Lesen deutscher Bücher.

Meine Wohnung, meine ersten Eindrücke

Meine Wohnung ist hervorragend. Sie ist nicht nur zentral gelegen, sondern auch schön. Ich habe einen E-Herd, die Heizung funktioniert gut. Nur auf warmes Wasser muss ich noch länger warten als in der Wohnung in Deutschland und das Sofa, auf dem ich schlafe, ist etwas hart. Trotzdem übertrifft die Wohnung alle meine Erwartungen und ich bin unglaublich glücklich. Die Vermieterin ist eine sehr liebe Frau, die mir nicht nur Äpfel aus ihrem Garten mitgebracht hat, sondern auch eingefrorenen Kürbis und eingefrorene Himbeeren.

Am ersten Abend noch bin ich einkaufen gegangen und bin zum ersten Mal im Winter durch Daugavpils gegangen. Dabei habe ich festgestellt, dass man hier im Winter aufpassen muss: Man geht über Eis und Schnee, manchmal ist der ganze Gehweg durch eine riesige Pfütze blockiert und von den Dächern fällt Schnee und Eis, wenn es wärmer wird. Spazieren gehen und dabei auf das Smartphone schauen? Lieber nicht.

Beim Einkaufen habe ich wieder bemerkt, wie teuer hier alles sein kann. Auch wenn manches hier günstiger ist, ist das meiste doch so teuer, dass ich es in Deutschland bei solchen Preisen sogar nicht kaufen würde. Ich war zwei Stunden lang im Supermarkt und habe die Hälfte der Zeit damit verbracht, Preise von Gewürzen zu vergleichen. Ein Collegeblock, den ich natürlich für die Uni brauche, kostet hier im Supermarkt etwas mehr als drei Euro. Darüber war ich vermutlich am meisten schockiert.

Auf dem Rückweg lachten Jungs über meinen riesigen Rucksack. Überhaupt habe ich mich die ersten Tage so gefühlt, als würde mich jeder anstarren, so als würden sie sehen, dass ich fremd bin. Das ist ein sehr unangenehmes Gefühl, aber mittlerweile schwindet es mehr und mehr. In den anderen Fällen finde ich mich aber zumindest damit ab, dass ich „Ausländerin“ bin. Dabei sind die Menschen in Daugavpils aber ziemlich tolerant, offen und auch sehr freundlich. Daugavpils ist eine multikulturelle Stadt: Russen, Letten und Polen, aber auch Belarussen und Ukrainer, sowie einige andere nationale Minderheiten leben hier. Vieles in der Stadt heißt „Vienības“, was übersetzt „Einigkeit“ bedeutet.

Wetter

In den ersten Tagen habe ich mich sehr einsam gefühlt und war auch bedrückt. Vielleicht lag es auch am Wetter und dene regionalen Umständen: Es wird später hell, früher dunkel und der ganze Tag ist auch ziemlich grau und düster. Als ich in Daugavpils ankam, setzte auch noch Tauwetter ein, sodass der Schnee auf den Straßen zu Matsch und Eis verkommen ist.

Wenn es hier aber beginnt zu schneien, so fühlt man sich wie im Märchen. Und obwohl es nicht unbedingt angenehm ist, ständig nass zu werden von den riesigen Schneeflocken, freue ich mich über jedes Mal, wenn Schnee fällt. Es ist nämlich nicht so ein feiner Schnee, gemischt mit Regen, wie ich ihn meistens aus Deutschland kenne, sondern echter Schnee, mit riesigen Schneeflocken, die dicht an dicht gedrängt vom Himmel rieseln und liegen bleiben. Wenn es schneit, wechselt die Stadt von grau zu weiß und die bedrückte Stimmung mit Sorgen zu einem kindlichen Glücksgefühl.

Schneefall

Mittlerweile liegt hier in Daugavpils aber gar kein Schnee mehr, nur noch kleine Reste auf den Wiesen und am Straßenrand. Zwischendurch regnet es, obwohl wir am Wochenende drei Tage lang herrliches sonniges Wetter hatten, was hier im Winter durchaus selten ist.

Freizeit, Universität und…

In den nächsten Beiträgen werde ich dir von meinen Gedanken erzählen, von meiner Freizeitgestaltung und von der Universität. Vielleicht werden manche der nächsten Beiträge kurz sein, vielleicht ohne Bild, aber da ich in diesem Teil des Blogs eigentlich alle Gedanken festhalten wollte, die ich für wichtig halte, kann es sein, dass es „kurze“ Gedanken sind, Abrisse meines Alltags. Manche Beiträge werden also auch Alltagsklänge und Betrachtungen sein.

Gibt es noch etwas Konkretes, das du wissen möchtest?
Schreibe mir, ich werde es dann in einen der nächsten Beiträge aufnehmen.


Mehr Beiträge zu diesem Thema findest du in der Unterkategorie Auslandssemester in Lettland.

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