Aufbruch nach Lettland

Lettland-Flagge Land

In einer Woche fliege ich für ein Semester nach Lettland. Ich habe mir vorgenommen, während meiner Zeit in Lettland einen kleinen Blog innerhalb meines Blogs zu führen. Über die Schwierigkeiten, aber vor allem auch über die neuen Erfahrungen, die ich während meines fünfmonatigen Aufenthalts in Lettland machen werde. Dieser Eintrag soll einen Einblick über die Startschwierigkeiten und auch ein paar Denkanstöße zur Planung geben.

Heute schreiben wir den 26.01.2019. Ich müsste jetzt eigentlich für Prüfungen lernen, mir fehlt aber die Konzentration, denn in einer Woche fliege ich für fünf Monate nach Lettland! Lettland ist ein wunderschönes Land, wie ich auch schon hier berichtet habe. Ich liebe Lettland, denn es ist ein Land der Menschen, der Natur, aber auch der Kultur. Es ist einzigartig – unter anderem deshalb habe ich mich für dieses Land entschieden. Gleichzeitig war ich aber noch nie für so eine lange Zeit fort von meinem Zuhause, das heißt, von dem Ort, an den ich mich gewöhnt habe.

Zum ersten Mal weg von „Zuhause“

Orferode und Bad Sooden-Allendorf: Bis auf meine Reisen waren dies bisher die Orte, in denen sich mein Leben bewegt hat. Ich habe noch nie alleine gelebt. Zuerst habe ich gemeinsam mit meinen Eltern und Geschwistern zusammen in einer Wohnung gewohnt, dann mit meinem Freund, der jetzt schon seit fast dreieinhalb Jahren mein Ehemann ist. Zudem habe ich furchtbar Angst vor vielen verschiedenen Situationen, die ich erstens nicht ganz konkret benennen kann und die zweitens anderen sehr irrational erscheinen können oder zumindest übertrieben.

Ängste

Ich habe Angst vor Flughäfen zum Beispiel, vor Spinnen, vor einsamen Spaziergängen auch manchmal. Wenn ich Geräusche in meiner Wohnung höre, habe ich Angst vor Einbrechern oder davor, dass etwas einstürzt. Wenn ich etwas rieche, habe ich Angst vor einem Gasaustritt. Nachts wache ich manchmal aus meinen Albträumen auf und denke, sie seien wahr. Hier in Deutschland, zu Hause bei meinem Mann, beruhige ich mich zwar auch kaum vollends, aber wenn ich meinen Mann neben mir sehe, weiß ich, dass jemand bei mir ist, der mich beschützen kann, auch wenn in meinem Traum meine Wohnung von Raupen befallen ist, böse Menschen mich verfolgen oder ich mich so weit verirrt habe, dass ich nicht mehr weiter weiß. Aber wie wird es sein, wenn ich alleine in einem fremden Land bin?

Kleine große Sorgen

Zu meinen Ängsten gehören auch viele Sorgen, die ich habe. Mein Koffer ist noch nicht gepackt, noch nicht alle Einkäufe sind erledigt. Eine Wohnung ist nun zwar sicher, aber ich weiß nicht, wie sie genau aussehen wird. Die Sicherheit, dass ich aber auf jeden Fall eine Wohnung im Zentrum haben werde, beruhigt mich schon etwas.

Über alles mögliche mache ich mir Sorgen. Darüber, was ich erledigen muss, bevor ich abreise. Ich mache mir Sorgen darüber, dass ich etwas vergessen könnte. Sorgen über meine Anreise dort, über das, was ich dort werde erledigen müssen.
Außerdem habe ich auch finanzielle Sorgen, nicht nur (irrationale) Ängste und die Sorgen, die anderen normal, aber harmlos scheinen können. Mir rauben sie manchmal die Konzentration, manchmal den Schlaf. Aber ich versuche, mir selbst Mut zu machen: Es wird alles irgendwie werden. Es wird schwer, aber es gibt kein Zurück und ich werde es schaffen.

Manche könnte es interessieren, warum ich finanzielle Sorgen habe. Deshalb möchte ich auch darauf kurz eingehen:

Erasmus+

Ich mache das Auslandssemester im Rahmen des Erasmus+ Programms. Dabei ist mir auch ein Stipendium sicher. Dieses Stipendium wird mir in einer Höhe von 80% des Gesamtstipendiums allerdings erst dann ausgezahlt, wenn ich mein Certificate of arriving eingereicht habe und dieses bearbeitet worden ist. Uns Teilnehmern an diesem Programm wurde gesagt, dass wir also die ersten 5-6 Wochen erst einmal ohne Stipendium zurechtkommen und uns deshalb um genug finanzielle Sicherung für diese erste Zeit kümmern müssen. Dazu wäre Auslands-BAföG eine Möglichkeit, auf das ich sowieso einen Anspruch habe, da ich schon BAföG beziehe. Auslands-BAföG kann aber auch für diejenigen eine Möglichkeit sein, die sonst keinen Anspruch auf BAföG haben. Wenn du also ein Auslandssemester planst, dann bewerbe dich nicht nur um Erasmus+, sondern setze dich rechtzeitig mit dem zuständigen Studentenwerk für das Auslands-BAföG in Verbindung. Dabei ist nicht unbedingt das Studentenwerk für dich verantwortlich, das für dein Inlands-BAföG zuständig ist.

Auslands-BAföG

Natürlich habe auch ich Auslands-BAföG beantragt. Das Problem am Auslands-BAföG ist allerdings, dass es erst dann vollends bearbeitet werden kann, wenn man eine Immatrikulationsbescheinigung der ausländischen Hochschule nachweisen kann. Dieses muss durch ein bestimmtes, handschriftlich ausgefülltes Formular nachgewiesen werden, das nicht durch einen anderen Nachweis ersetzt werden darf. Ich kann diesen Nachweis also erst erbringen, wenn ich in Daugavpils bin. Deshalb könnte es auch sein, dass ich das Auslands-BAföG erst zum 1. März ausgezahlt bekomme. Wenn du ein Auslandssemester planst, solltest du dich also auch darauf einstellen und genug Reserven einplanen.

Finanzielle Planung

Was mache ich also im Februar ohne Stipendium und ohne BAföG? Ich habe Glück im Unglück: Im letzten Jahr wurde mir zu wenig BAföG ausgezahlt, weswegen ich im Dezember eine Nachzahlung bekommen habe. Viel davon ist nicht mehr übrig, da ich für Lettland viele Anschaffungen machen musste, aber es könnte erst einmal reichen – sehr knapp. Zufrieden bin ich damit nicht und natürlich macht es mir Sorgen.

Anschaffungen

Ja, ich musste viele neue Anschaffungen tätigen. Unter anderem einen kleinen Koffer, zusätzlich zum großen. Ich musste mir eine echte, gute Winterjacke kaufen, da es in Lettland ziemlich kalt im Winter ist. Deshalb brauchte ich auch gute, wasserfeste und warme Schuhe. Das waren die wirklich teuren Anschaffungen, aber es sind auch viele kleine Dinge, die gekauft werden müssen. Daran solltest auch du unbedingt denken, wenn du ins Ausland gehen willst. Das Klima im Zielland kann ein vollkommen anderes sein als hier. Darauf solltest du dich einstellen.
Ich habe auch viele kleine Dinge nur deshalb eingekauft, um nicht gleich am ersten Tag in Lettland alles mögliche einkaufen zu müssen. Es reicht, dass ich dann Lebensmittel einkaufen muss.
Manchmal stellen sich mir übrigens auch so blöde Gedanken, wie: Was mache ich nur ohne meine vielen Gewürze? Aber das ist eine harmlose Frage. Für mich ganz unwichtig im Vergleich zu den anderen vielen Fragen, die ich euch vielleicht auch noch vorstelle.

Hast du schon ein Auslandsemester gemacht? Welche Startschwierigkeiten hast du bei der Planung gehabt? Welche Gedanken?

Wenn du ein Auslandssemester planst, kannst du mir auch gerne Fragen zu den organisatorischen Angelegenheiten stellen. Ich werde versuchen, dir so gut wie möglich darauf zu antworten, um dir vielleicht das Eine oder Andere auf deinem Weg zum Auslandssemester zu erleichtern.

Bis Bald!


Bild: Pixabay

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