Der Fluch – Eine Ballade im Stile eines Horrormärchens

Ballade: Der Fluch Bild: Mädchen, das einen Stierschädel vor sich hält

Trompeten singen gellend Töne
aus den Tiefen ihrer Träume
Aus den Kellern krabbeln hohle
Klaviere polternd in die Räume

Schlangen winden sich am Boden
drängen sich den Geistern auf
Und das Wasser aus den Rohren
streckt die Glieder fluchend aus

Draußen dröhnen die Fanfaren:
„Das langersehnte Fest beginnt!“
Denn schon vor vielen, vielen Jahren
wurde dieser Tag bestimmt.

Und nur einer ahnt Gefahren:
Der, den man als Kind verstieß,
weil ihn vor dreiundzwanzig Jahren
durch seine Tat das Glück verließ.

Draußen singt ein jeder Lieder
für die Nacht und für den Tag:
„Heute siegt die Einheit wider
die Zwietracht, die im Ursprung lag!

Ja, heute feiern wir ein Fest!
Von Süd nach Nord,
von Ost nach West!
Heute feiern wir ein Fest!

Noch heute gibt er ihr sein Wort!
Von Ost nach West,
von Süd nach Nord!
Heute gibt er ihr sein Wort!“

„Komm!“, schreit eine Stimme laut,
pocht gewaltsam an die Scheiben –
„Auf dich wartet schon die Braut!“
Doch der Bräutigam will bleiben.

Wimmernd sitzt er in den Ecken
und fragt die Götter seiner Welt:
„Könnt ihr mein Herz vor mir verstecken?
Ich möcht‘ nicht, dass es so zerfällt!“

In Angst verliert er den Verstand,
hält er seinen Zorn im Zaum:
Vernichten wollte er das Schicksal
mit einem Messer in der Hand. –

Er kratzt Augen aus der Wand,
die Trompete singt vom Traum:
Er hat gefunden, was er suchte,
und verlorn, was er je fand.


Bild: www.unsplash.com

Weitere Gedichte findest du in der Kategorie Poesie.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

error: Content is protected!!