Der gescheiterte Poet

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Früher hasste ich mich bis ins Knochenmark
und war mir meiner doch so sicher –
Heute glaubt jeder, Ich wäre Ich mehr denn je,
Dennoch kenne ich mich überhaupt nicht mehr –

Wären sie bloß nicht gekommen
und hätten mir nicht das Herz genommen,
alles, was da draußen ist, zu fühlen,
statt zu berechnen,
wie groß das Grundstück ist, auf dem dein Haus steht,
wie viel ein Menschenleben wert ist,
wer wie viel verdient zum Leben

Was habe ich denn schon verdient?
Ein halbes Jahr einen Haufen Geld
und eine Stelle im öffentlichen Dienst.
Privilegiert und doch dem Höchsten fortgerissen
und stattdessen
in das stumpfe Rechenleben
eines öffentlichen Angestellten geschmissen.

Was habe ich nun davon?
Ein stumpfes Hirn vielleicht
und Ahnung von Gesetzen, die ich,
wenn ich nicht gar so feige wäre,
sofort, ohne Wimpernzucken, brechen würde.

Denn: Was hätte ich schon zu verlieren?
– Nur ein Gesicht, das ich nicht habe
und ein Leben, das nicht meines ist

Die Gesetze würde ich sofort brechen,
wenn es nötig wäre
und ich nicht ganz so feig‘,
Denn für Poesie, ihr Lieben, tät‘ ich alles,
was die Welt mir hat als Möglichkeit gegeben,
Denn nur für Poesie, ihr Lieben,
lohnt es sich zu atmen, zu wandeln
und zu leben.

Und bleibt sie mir weiterhin so fern
wie seit dem Tag, an dem ich anfing,
fremdes Geld zu zählen
und einem nur vermeintlich höherem Ziel zu dienen;
So will ich dieses Leben nicht.
Denn Leben bedeutet Poesie
und Poesie ist Leben und Freiheit:
Wenn es mich nicht will,
kann ich es nicht besitzen.


Foto: www.pixabay.com

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