Письмо маме // Ein Brief an Mama

Deutsche Version weiter unten. Немецкая версия ниже.

Мама,
ты – я знаю – помнишь, но и я помню, как мы утром сидели за завтраком с чашкой чаю и часами болтали, будто мир остановился, будто не было никаких забот, никаких проблем. А они всегда были, правда, мама? Всегда было где-то больно. Но в то же время был всегда чай, пышечки или блины, сгущенка или варенье. А когда я не ела, был чай. Чай был всегда. И книжки, да, мама? И стихотворения. Мечты, надежда. Мы мечтатели, да, мама? Поэтому мы такие сильные. Мы сильны в своей слабости. Мы верим.
Поэтому в наших фарфоровых сердцах произрастают целые миры – и не важно сколько раз разбивали наши фарфоровые сердца до малейшего боя, мы их тщательно склеивали и садили заново свой любимый сад, строили свою дачу, свои миры. Дом, конечно, мама, я еще не построила. А, может быть, и не построю. Может быть, я буду кочевником, как те люди в степи, где я родилась. Сегодня их называют „Космополитами“, если не ошибаюсь.
Но ты построила свой дом, правда, мама?

А помнишь, мама, сказку, которую ты нам рассказывала, когда мы были еще маленькими? О дереве, на котором все растет, что пожелаешь?
В детстве мы мечтали об игрушках и деньгах. Но знаешь, если я сейчас верила бы в это дерево, я пожелала бы себе любви и дом. Больше не надо, мама, я знаю это теперь. Потому, что если есть дом и любовь, то все остальное дается просто.

Вкусный чай был, тот, что мы пили с тобой. Но мама, я повзрослела. Давно уже. И я кочую, мама, и люблю, и мечтаю, и учусь: Я живу. Но чай с тобой по утрам уже не пью. Да и уже не было бы то же самое; потому что я повзрослела, потому что твой чай, мама – прости – уже давно не мой дом. А новый, в котором я могла бы заваривать чай и рассказывать свои сказки, я еще не построила.


Mama,
ich weiß, dass du dich daran erinnerst, aber auch ich erinnere mich daran, wie wir morgens beim Frühstück mit einer Tasse Tee saßen und stundenlang quatschten, als wäre die Welt stehengeblieben, als gäbe es keine Sorgen, keine Probleme. Aber es gab sie immer, stimmt’s, Mama? Es hat immer irgendwo wehgetan. Aber zugleich gab es auch immer Tee, Kreppel oder Pfannkuchen, Kondensmilch oder Marmelade. Und als ich nicht aß, gab es Tee. Tee gab es immer. Und Bücher, ja, Mama? Und Gedichte. Träume, Hoffnung. Wir sind Träumer, ja, Mama? Deshalb sind wir so stark. Wir sind stark in unserer Schwäche. Wir glauben.
Deshalb wachsen in unseren Porzellanherzen ganze Welten – und egal, wie oft man unsere Porzellanherzen zu feinsten Scherben zerbrochen hat, wir haben sie jedes Mal wieder sorgfältig wieder zusammengeklebt und auf’s Neue unseren geliebten Garten gepflanzt, unsere Datscha errichtet, unsere Welten aufgebaut. Ein Zuhause, Mama, habe ich mir natürlich noch nicht gebaut. Und vielleicht werde ich es auch nie erbauen. Vielleicht werde ich ein Nomade, wie die Menschen in der Steppe, wo ich geboren wurde. Heute nennt man sie „Kosmopoliten“, wenn ich mich nicht irre.
Aber du hast dir ein Zuhause gebaut, stimmt’s, Mama?

Und, Mama, kannst du dich an das Märchen erinnern, das du uns erzählt hast, als wir noch klein waren? Vom Baum, an dem alles wächst, was man sich wünscht?
In der Kindheit träumten wir von Spielzeugen und Geld. Aber weißt du, wenn ich jetzt an diesen Baum glauben würde, dann würde ich mir Liebe und ein Zuhause wünschen. Mehr braucht man nicht, Mama, das weiß ich jetzt. Denn wenn man ein Zuhause und Liebe hat, dann fällt alles andere ganz leicht.

Ein leckerer Tee war das, der, den du und ich getrunken haben. Aber Mama, ich bin erwachsen geworden. Schon lange. Und ich ziehe umher, Mama, und liebe, und träume, und lerne: Ich lebe. Aber ich trinke morgens keinen Tee mehr mit dir. Es wäre auch nicht mehr das gleiche; weil ich erwachsen geworden bin, weil dein Tee, Mama – verzeih – schon lange nicht mehr mein Zuhause ist. Und ein neues, in dem ich Tee kochen könnte und meine Märchen erzählen könnte, habe ich noch nicht gebaut.


Foto: pixabay

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