Fragmente

Begrabene Erde

Umbruch, nebliger Umsturz,
nur Fragmente
in einer kalt glühenden Seele.
Wohin soll ich gehen?
Wohin renne ich –
im Kreis, in der Unendlichkeit,
der Sinnlosigkeit?
Alles zerbricht, alles stürzt
in sich und über sich zusammen.

Wo bin ich?
Begraben unter Gefühlen
und unter Steinen einer alten Ruine,
in die ich ungewollt,
nur schicksalshaft gelangt bin.
Vor mir sehe ich
durch einen Spalt
einen staubigen Lichtstrahl,
unerreichbar,
weil die Felsen
zu schwer auf mir lasten.
Der Lichtstrahl brennt,
entzündet sich –
meine Augen werden schwer,
und auch der Ring, die Ketten,
ja sogar meine Haut erdrückt mich unter ihrem Gewicht.

Ich wünsche mir zu gehen.
Wozu das alles noch?
Wozu das Atmen, das Sehen –
wozu das Spüren?
Ich liege doch schon begraben
unter mir,
mit meiner Welt und unter ihr.
Mein eig’nes Licht ist fern von mir,
in unerreichbarer Weite,
und auch wenn ich es sehen kann –
es wünscht mich nicht bei sich.

Ich wünsche mir zu gehen,
zum Tag, zum Tod – es ist mir gleich.
Alles ist mir gleich geworden:
Die Sonne, die Nacht,
das Leben, der Mond –
einzig das Licht,
dieses kleine, ferne, staubige Licht
ist mir noch lieb,
auch wenn es mich verbrennt,
mich schmerzt, mich zerreißt,
weil es mich nicht will,
nicht haben kann –
Denn ich liege unter mir begraben
und bin seiner nicht würdig.

Umbruch, dunkler Umsturz,
in einer fiebrig kranken Seele –
nur Fragmente, kleine Papierfetzen,
wie aufgewirbelter Staub –
und niemand hier, begraben mit mir,
der sie zusammenzufügen vermag.


[Fragmente, November 2017]
Foto: Julia Stumpf

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