Lilien

Lilien
Foto: Pixabay

Zerrüttet
Verloren
ist die Seele des Menschen
auf dieser großen Erde
Von schneeverwehten Eiszeiten
irrt sie suchend nach der Wahrheit
in dürre Wüstenjahre
Beginnt beim Anfang
Hört immer auf am Ende,
manchmal früher
Sucht nach Liebe
oder etwas, das man so nennen kann
und fällt die Birke im Wald
für die wohlige Wärme des Ofens
im Wohnzimmer, vor dem Sofa
Fällt die Tanne
zu Weihnachten
für die Kinder
Jagd das Wildschwein
für die Großeltern
Sie trinkt aus dem Fluss,
dem breiten, tiefen
und teilt nicht mit den Löwen
und den Giraffen
In ihrem Garten pflanzt sie
sommergelbe Ringelblumen
um winterweiße Lilien
und wacht pünktlich
mit dem Sonnenaufgang
im Fenster auf

Die farblosen Nächte
brechen morgens ein
Sie glaubt nicht an die Geister
unter ihrem sicheren Bett,
im Kleiderschrank
Erzählt ihren Kindern
Märchen vom Weihnachtsmann
Näht aus ihren Kleidern
Geschichten
für die Zukunft
und predigt in ihren Monologen
auf offener Straße
von friedlichen Gesprächen
Errichtet einen Staudamm
im grenzenlosen Meer
Fängt die großen Fische ein
Grenzt sich mit den kleinen aus
Pumpt das geschmeidige Öl
aus dem Boden
ihrer Inseln
Trinkt den köstlich schwarzen Saft
im polierten Glas am Abend
bevor sie sich zur Ruhe
in ihre staubige Bettwäsche legt

Erst lebenskrank im Sterbebett
erkennt sie vielleicht die Wahrheit:
Lilien bleiben immer Lilien
auch wenn man sie versteckt


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